Chronik Reute
Die Gemeinde Reute hat eine lange Geschichte. Bereits im Jahr 3700 vor Christus gab es jungsteinzeitliche Besiedlungen. Der heutige Ortskern geht jedoch auf eine Rodesiedlung der Alemannen aus dem 3.Jahrundert nach Christus zurück.Der bis 1260 belegte Ortsname Liutbrahtesriute nennt den Sippenältesten Liutbraht (Leiprecht) als Gründer. Bei einer Klostererweiterung wurde eine Reihengrablege mit typisch alemannischen Grabbeigaben gefunden. Demnach war der heutige Klosterberg, der noch Ende des 18. Jahrhunderts „Hünenberg“ hieß, eine alemannische Kultstätte, in deren Nähe der Sippenälteste seinen Wohnsitz und seine Felder hatte. 801 wurde dort eine Kirche erbaut, die jedoch zusammen mit dem Ort 926 schon wieder durch die Ungarn zerstört wurde.Im Mittelalter wechselten die Herrschaftsverhältnisse mehrfach. Ortschaft und mit ihr das Kloster Reute wanderten durch die Hände verschiedener geistlicher und weltlicher Besitzer. Unter ihnen das Kloster Weißenau, das Augustiner-Chorherrenstift St. Peter in Waldsee und die Fürsten von Waldburg-Wolfegg Waldsee. Im großen Bauernkrieg 1525 wurden die Nachbarorte Gaisbeuren, Dinnenried und Atzenreute vom Heer des Truchsess Waldburg, dem sog. „Bauernjörg“, völlig zerstört. Eine Beteiligung Reutener Bauern lässt sich nicht belegen. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hinterließ in unserer Gegend ab dem Jahr 1632 schreckliche Spuren und brachte Pest und Tod. Bis auf ein Haus in Tobel wurde die gesamte Ortschaft niedergebrannt und zerstört. Von 240 Bewohnern überlebten nur noch sieben. Das Chorherrenstift in Waldsee warb neue Siedler an und half beim Wiederaufbau. Als Zeichen neuen Lebens wurde die Friedenslinde gepflanzt. Diese wurde durch eine Neupflanzung im Jahr 1991 ersetzt. Im Jahr 1784 wurde das Kloster zu Reute geschlossen und 1788 das Chorherrenstift in Bad Waldsee vom österreichischen Kaiser Joseph II. aufgehoben. Der gesamte Besitz Reute fiel 1788 an den Fürsten von Waldburg-Wolfegg-Waldsee. Als Folge der napoleonischen Kriege, ging 1806 das ehemalige Vorderösterreich, und damit auch Reute, an das Königreich von Württemberg. 1849 wurde Reute durch Aufhebung des standesherrlichen Bezirksamts unmittelbar dem Staat unterstellt: Die politische „Gemeinde Reute“ war geboren. Ebenfalls 1849 entstand im Zuge der Verlängerung der Eisenbahnstrecke Friedrichshafen - Ravensburg bis Biberach der zur Gemeinde gehörende Bahnhof Durlesbach, der bis 1867 auch für Waldsee zuständig war. 1938 kam das Oberamt Waldsee zum neuen Kreis Ravensburg. In den beiden Weltkriegen musste auch Reute einen hohen Blutzoll bezahlen. Das Kriegerdenkmal weist aus der Kirchengemeinde zweihundertzwanzig Kriegsopfer aus. Am 1. Dezember 1971 gliederte sich die bis dahin selbstständige Gemeinde durch die Verwaltungsreform, der Stadt Bad Waldsee ein. Mit der Eingemeindung verlor Reute die politische Selbstständigkeit. Seither hatte Reute mit Paul Schurer (1971 – 1989), Hans Frick (1989 – 1994), Anne Rose Zembrot (1994 – 2005) und Lothar Grobe (2005 – 2014) vier ehrenamtliche Ortsvorsteher sowie mit Oskar Stollsteiner (1971 – 1980) und Franz Bendel (1980 - 2014) zwei Verwaltungsleiter. Im Jahr 2011 wurde die Fusion mit der Nachbargemeinde Gaisbeuren beschlossen. Im Oktober 2012 wurden die beiden Ortsverwaltungen zusammengelegt. Neuer Sitz ist seither im Dorfgemeinschaftshaus Gaisbeuren. Formal vollzogen wurde die Verschmelzung beider Gemeinden nach den Kommunalwahlen im Frühjahr 2014. Seither ist Achim Strobel hauptamtlicher Ortsvorsteher. Bekannt ist Reute aber in erster Linie durch das Franziskanerinnen-Kloster und das Grab der seliggesprochenen „Guten Beth“ von Reute. Sie wurde 1386 als Elisabeth Achler geboren und lebte von 1403 bis 1420 im Kloster Reute. Die Seligsprechungsfeierlichkeiten zu Ehren der „Guten Beth“ vom 30. Mai bis 9. Juni 1767 mit 150.000 Besuchern brachten der Gemeinde großes Ansehen. Die Narrengilde ist mit dem Kloster eng verbunden: Das von Schwestern des Klosters genähte und mit Wappenlilien bestickte königsblaue Samt-Häs von Vorstandschaft und Narrenrat ist nur ein Beispiel dafür. Auch die Schnurrer werden im Kloster jedes Jahr freundlich empfangen.
